Risiken und Nebenwirkungen bei Tattoos und Piercings

Wozu macht man eigentlich eine Einverständniserklärung? Und warum stellt man dabei so viele Gesundheitsfragen? Wieso muss ich über Risiken und Nebenwirkungen bei Tattoos und Piercings aufklären und über welche? Geht es nicht auch ohne oder wenigstens einfacher?

Bei den vielen Fragen geht man am besten eine nach der anderen durch…

Die Einwilligung in die Körperverletzung

Ein Tattoo bzw. Piercing stellt nach den Buchstaben des Gesetzes eine Körperverletzung dar und um sich nicht strafbar zu machen, benötigt man das Einverständnis des Kunden. Man sollte annehmen, dass Kunden wissen, was sie erwartet, wenn sie sich ein Tattoo oder Piercing stechen lassen und einige Richter sehen das auch so. Aber eben nicht alle und daher gibt es die allseits bekannte Einverständniserklärung. Diese lässt man sich unterschreiben, damit man die Einwilligung im Streitfall auch nachweisen kann.

Aufklärung zu Risiken und Nebenwirkungen bei Tattoos und Piercings

Die Hygieneverordnung für Tattoo&Piercing, zumindest die der meisten Bundesländer, schreibt ausdrücklich vor, dass der Kunde über mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden muss. Unabhängig davon macht es aber auch Sinn.

Je mehr Tattoos und Piercings zu einer Mode und ein Konsumprodukt für Kurzentschlossene geworden ist, desto wichtiger ist es, darauf hinzuweisen, dass es eben auch einen Eingriff in den Körper darstellt, mit allen damit verbundenen Risiken und Nebenwirkungen. Diese können, je nach persönlicher gesundheitlicher Situation des Kunden, durchaus erheblich sein. Aber dazu mehr weiter Unten.

Je laxer die Branche diese Pflicht handhabt, desto größer wird voraussichtlich der Unmut derer, die evtl. Folgeschäden auszubaden haben: Ärzte, Krankenkasse bzw. das Gesundheitswesen an sich. Deren Unmut führt am Ende zu Regulierungen, die keiner möchte.

Welche Risiken und Nebenwirkungen?

Wer sich schon einmal die Mühe gemacht hat, dieser Frage nachzugehen, wird evtl. auch festgestellt haben, dass es zwar etliche Vorlagen und Beispiele für eine Risikoaufklärung zu Tattoo bzw. Piercing gibt, jedoch keine verbindliche Richtlinie oder Aufstellung.

Die Frage, über welche Risiken und Nebenwirkungen man aufklären muss, resultiert aus der juristischen Haftung. Kommt es zu einem Schaden, ist man als vermeintlicher Verursacher des Schadens erst einmal haftbar. Dabei kann so ein Schaden verhältnismäßig harmlos bis gravierend sein:

  • Blow-Outs
  • Hautreizungen
  • Taubheitsgefühl
  • Vernarbungen
  • allergische Reaktion
  • Entzündung
  • Wundheilstörung bei Diabetiker
  • epileptischer Anfall mit einhergehender Körperverletzung durch Sturz von der Liege
  • schwere Allergische Reaktion inkl. Hauttransplantation
  • Herz-Kreislaufstillstand

Tritt so ein Schaden ein, wird vor Gericht die Frage geklärt: Hat man über die möglichen Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt und alles Erdenkliche und Zumutbare unternommen, um diese zu minimieren.

Daher liegt es sowohl in der Verantwortung als auch dem Interesse des Tätowierers und Piercers, möglichst umfassend über die Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären. Sollte es zumindest.

Die Anamnese zur Klärung der individuellen Risiken und Nebenwirkungen

Oben hieß es „[…] alles Erdenkliche und Zumutbare unternommen, um diese [Risiken] zu minimieren.“. Die meisten in der Branche wissen zum Glück, dass man sich während der Schwangerschaft bzw. Stillzeit nicht tätowieren lassen sollte. Auch unmittelbar nach einer Strahlenbehandlung ist das keine gute Idee. Nicht jeder möchte einen HIV-positiven Kunden tätowieren oder piercen. In Österreich ist dies sogar gesetzlich untersagt.

Eigentlich sollte dies doch nun wirklich jedem klar sein, oder?

Die Praxis zeigt, dass dies definitiv nicht so ist. Wir erleben es bei uns im Studio immer wieder, dass Leute zum Termin erscheinen, die das besser nicht tun sollten (Verdacht auf Thrombose, Einnahme starker Blutverdünner, Diabetiker ohne Erfahrung zum Wundheilverfahren, Impfung am selben Tag, frisch aus dem Urlaub mit Sonnenbrand, …). Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Für einen Branchen-Erfahrenen sind diese Dinge klar, für Neukunden nicht.
  2. Die Kunden sind oft so aufgeregt (im positivsten Sinne), dass sie selbst ihren eigenen Namen vergessen.

Dem einen oder anderen ist sicherlich schon das Herz in die Hose gerutscht, wenn ein Kunde ohnmächtig von der Liege gleitet. Und jeder atmet auf, wenn nichts Weiteres passiert ist. Ein epileptischer Anfall oder Insulin-Schock mag dagegen seltener vorkommen. Doch wenn es euch passiert, werdet ihr euch ein Leben lang sagen, „Hätte ich bloß…!“.

Dabei ist es wirklich einfach, solche Risiken zu minimieren und kostet in der Regel nicht mehr als 2 Minuten. Zudem gibt es dem Kunden das Gefühl, dass ihr respektvoll und verantwortungsbewusst mit ihm und seiner Gesundheit umgeht.

Wenn ich bei einem Arzt oder in einer Klinik einfach nur was zum Ausfüllen und Unterschreiben erhalte, der Arzt aber gar nicht draufschaut, dann weiß ich, das dient nur der rechtlichen Absicherung. Herzlichen Dank! Wenn der Arzt diesen Fragebogen mit mir durchgeht oder ich zumindest erlebe, dass er ihn liest, dann erst habe ich das Gefühl, dass die Fragen tatsächlich meinem Wohl dienen.

Daher gehören wichtigen gesundheitlichen Aspekte nicht ins Kleingedruckte, sondern sollten aktiv vom Kunden abgefragt werden.

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