Kunde oder Bittsteller?

„Termine werden nur persönlich vor Ort vergeben, jeden 1. Montag im Monat. Bitte mit Wartezei-ten von einem halben Jahr und mehr rechnen!“ Diese oder ähnliche Hinweise konnte man noch vor ein paar Jahren auf vielen Websites von bekannteren Tätowierern lesen. Man findet sie jedoch mittlerweile immer weniger – aus gutem Grund.

Verständlich ist das schon: wenn man 6-10 Stunden am Tag tätowiert, plus Vorbereitungen, Material-Bestellung, Steuer und dem ganzen anderen Zeug, dann will man sich nicht auch noch stundenlang mit der Beratung von Kunden rumschlagen, die dann doch nicht kommen. Und gerade bei Künstlern ist das auch nicht jedermanns Sache. Dabei muss das gar nicht aufwendig sein, wie wir euch weiter unten zeigen.

Wir möchten euch jedoch zunächst einladen, das ganze einmal von der Seite des Kunden zu betrachten. Das nachfolgende Beispiel ist vielleicht etwas überspitzt, aber schaut einfach mal, in wievielen Punkten ihr euch wiederfindet.

Also stellt euch vor, ihr habt nach langem Suchen endlich euer Wunsch-Tattoo und den passenden Tätowierer dazu gefunden…​

Old-SchoolNew-School

Bei deinem Besuch oder Anruf erhältst du Auskunft, dass momentan keine Termine vergeben werden. Du sollst dich in 2-3 Monaten nochmal melden. Man fragt nicht nach Deiner Email-Adresse oder Handynr.

Bei deinem Besuch oder Anruf notiert sich jemand dein Anliegen (und natürlich auch deinen Namen und Kontaktdaten). Das gibt dir das Gefühl, dass man sich für sich und deinen Wunsch wirklich interessiert.

Dir wird klar: die sind nicht auf dich angewiesen und du weißt nicht, ob du in 2-3 Monaten dann einen Termin bekommst.

Du erhältst eine gute Beratung und – sollte nicht gleich einen Termin frei sein – eine Aussage, wie lange du etwa wirst warten müssen. Man teilt dir mit, dass du automatisch angeschrieben wirst, sobald wieder Termine frei werden.

2-3 Monate später meldest du dich nochmals bei deinem Studio der ersten Wahl.

2-3 Monate später erhältst du eine Email bzw. SMS, dass bei deinem Wunsch-Artist nun wieder Termine vergeben werden. Du wurdest tatsächlich weder vergessen noch übergangen!

Nein, man kann sich nicht an dich erinnern. Schließlich rufen jeden Tag so viele Leute an – das kann sich wirklich keiner merken!

Du rufst gleich an und man kann sich an dich und deinen Tattoo-Wunsch erinnern.

Man bietet dir einen Termin weitere 3 Monate später an, weil man schon wieder ziemlich ausgebucht ist. Waren die ersten 2-3 Monate Wartezeit jetzt für die Katz?

Man bietet dir einen Termin in 6 Wochen an, den du gerne nimmst.

Deinen Termin notierst Du Dir selber. Nach deiner Handy-Nr. oder Email-Adresse wurdest du immer noch nicht gefragt. Wie informieren die dich, wenn was dazwischenkommen sollte?

Du erhältst zu meinem Termin eine schriftliche Bestätigung, entweder auf Papier, per Email oder SMS. Das gibt dir Sicherheit, denn schließlich nimmst du dir dafür frei, buchst ein Zugticket oder Flug, organisierst einen Babysitter o.ä.

Für die Anzahlung musst Du vorbeikommen, da man nur Bargeld akzeptiert.

Die Anzahlung kannst du bequem per PayPal oder Überweisung zahlen.

Bis kurz vor dem Termin hoffst du, dass alles klappt. Du rufst vorher nicht nochmals an, da du niemanden auf die Nerven fallen willst.

Eine Terminerinnerung 2-3 Tage vor dem Termin ist ein super Service, auch wenn’s von einer Maschine kommt – trotzdem denkt man an dich.

Du kommst pünktlich zum Termin, allerdings hat sich der Termin davor verschoben, so dass du eine gute Stunde warten muss. Oje – reicht das für die Rückfahrt / den Rückflug? Kann der Babysitter so lange?

Bei deinem Termin musst du nicht stundenlang warten. Sollte im Studio sich etwas verschieben, wirst du vorab schnell informiert (SMS, WhatsApp, …). Denn deine Zeit ist schließlich ebenso knapp/wertvoll, wie die des Artists.

Gut, du bist selber vom Fach und weist, wie man ein frisches Tattoo pflegt. Aber für all die anderen Kunden: sobald die das Studio verlassen haben, haben die doch 2 x die Hälfte von dem Vergessen, was der Tätowierer zur Pflege erzählt hat. Und hat der Kollege am Nachbarplatz nicht was ganz anderes erzählt?

Ok, das Tätowieren an sich ist nicht wirklich prickelnd, aber auch hier gibt dir eine hygienische Arbeitsweise sowie eine gute Beratung zur Pflege (und ggf. eine schriftliche Anleitung) im Nachgang ein sicheres Gefühl.

Das Tattoo ist gut verheilt und sieht prima aus – darüber bist du happy. Aber von deinem Studio der ersten Wahl hast du nie wieder was gehört.

Über die Anfrage 4-6 Wochen nach dem Termin, ob alles in Ordnung war und du zufrieden bist, freust du dich fast so sehr, wie über das Tattoo selber. Die 5-Sterne Bewertung bei Google und Co. gibst du gerne ab.

Und wann immer das Studio irgendwelche Aktionen laufen hat oder interessante Guest-Artists zu Besuch sind, wirst du automatisch darüber informiert – wenn du willst. Coole Sache!

Sogar an meinen Geburtstag haben die gedacht!

Was würde Dir besser gefallen?

Der Old-School-Umgang mit den Kunden ist nur möglich, bzw. war nur möglich, weil es viel zu wenige Tätowierer für zu viele Kunden gab, was sich jedoch ändert und jeder von uns merkt das. Während sich gute Studios bzw. Artists bislang ihre Kunden noch aussuchen konnten, suchen sich nun mehr und mehr Kunden die Studios aus.

Im Piercing-Geschäft ist es schon lange schwer, sich nur noch durch den besonderen Schmuck, die besondere Technik oder ausgefallene Piercings vom Wettbewerb abzusetzen. Doch auch bei den Tattoos wird es immer schwieriger, sich nur mit seinen Arbeiten von den anderen abzuheben, denn es rücken immer mehr wirklich gute Artists/Studios nach.

Also tut euch und euren Kunden einen gefallen und versucht mal den New-School-Umgang mit den Kunden. Viel zu aufwendig? Nicht mit einem guten Studio-Management-System: Kundenservice mit kisscal.

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